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Zwei Häschen und die kleine Robbe

Jürgen Kleschnitzki

Ein schöner Herbsttag ist`s auf Norderney, nur ein paar kleine Wolken zieren den Himmel am Horizont, und all die Kurgäste brechen zu einem ausgedehnten Strandspaziergang auf. Am Strand, nahe am Wasser der Nordsee, gehen sie gemächlich zum Nordstrand, beobachten die Möwen, die Enten und genießen die Natur mit ihrer salzhaltigen, gesunden Luft.
Auch Tiere spüren Lust, den schönen Tag mit Spielen und anderen Dingen, die den Tag verschönern, zu verbringen. Die Schafe in den Salzwiesen lassen den Tag eher geruhsam angehen, sie grasen das leckere Futter und lassen sich von allen anderen nicht stören, die Wildgänse sind ganz aufgeregt, sie schnattern, flattern mit den Flügeln und erheben sich zu kleinen Rundflügen über das Wattenmeer, das Ihnen reichlich Nahrung bietet.
Auch in den Dünen ist reger Betrieb auszumachen, die Kaninchen spielen in ihren vielen Höhlen verstecken und fangen. Nur Häschen Hipp und Häschen Hopp spielen Blinde Kuh mit verbundenen Augen. So kam es, weil sie nichts sehen konnten, dass sie plötzlich ebenso am Strand waren, wie die vielen Kurgäste auch.

Hei, was ist denn das fragte Häschen Hipp das Häschen Hopp. Das sind ja noch die vielen Strandburgen, die die vielen Kinder hier auf Norderney am Strand gebaut haben, nicht alle wurden von der Flut zerstört und ins Meer zurückgeholt. Auch Hipp und Hopp hatten plötzlich Lust dazu, eine große Strandburg zu bauen. Flink holten sie ihre scharfen Krallen heraus und begannen behände mit allen ihren vier Läufen tiefe Löcher in den Sand zu buddeln und zu einem hohen Sandberg aufzutürmen. Ein Wassergraben war auch schnell hergerichtet, so dass sie nur noch ein paar Muscheln sammeln mussten, mit denen sie dann ihre Namen Hipp und Hopp in die Burg eindrückten.

Hopp rannte nochmals zum Wasser und fand dort ein kleines Netz, das wohl ein von seinem Krabbenkutter verloren hatte. Häschen Hopp rief Häschen Hipp und berichtete von seinem Fund. Da kam Hipp auf die Idee, mit diesem Netz kleine Krebse zu fangen, wie er es schon einmal bei den Kindern mit ihren Netzen und Eimern gesehen hatte. An einer kleinen Buhne am Nordstrand fanden sie dann vier Krebse, die sich im nassen Sand eingraben wollten. Hopp grub schnell mit seinen vier flinken Läufen ein großes Loch in den Strand nahe der Buhne, so dass es sich schnell mit Wasser füllte. Da hinein setzten sie die Krebse, die sich freuten, wieder in ihrem geliebten Meerwasser sein und leben zu können. Beide hatten ein gutes Werk getan, und so rannten sie ausgelassen über den Strand immer zwischen den Beinen und über die Füße der Strandwanderer hinweg, die sich köstlich amüsierten.

Hei Hopp, frage Häschen Hipp plötzlich, was ist denn das da oben am Januskopf neben dem Surf-Cafe. Das laufen die Leute ja mit so komisch aussehenden Stöcken in den Dünen herum. Häschen Hopp hatte auch keine Antwort darauf, so dass sich beide schnellstens auf den Weg machten, genauer hinzusehen. Aha, stellten sie fest, als sie ankamen, die Leute, Erwachsene, kleine Jungen und Mädchen, hatten Minigolfschläger in der Hand und schlugen Bälle über die Bahnen bis hinein in ein kleines Loch, das sich am Ende der Bahn befand. Hipp und Hopp wollten dieses Spiel ausprobieren, aber sie hatten kein Geld, um sich die Schläger und die Bälle ausleihen zu können. Dennoch gingen sie zu einem kleinen Häuschen auf dem Minigolfplatz, in dem eine junge Frau saß. Traurig und mit hängenden Ohren schauten sie die junge Dame an, die dann auch sofort verstand, was die beiden kleinen süßen Hasen von ihr wollten.

Sie übergab den beiden je einen Minigolfschläger und einen Ball, so dass sich Hipp und Hipp zur ersten Bahn begaben, um den Ball möglichst mit einem Schlag über die Bahn zu treiben und am Ende in dem Loch zu versenken. Hopp überließ Hipp den Vortritt, weil er sich doch nicht richtig traute, er hatte es bei den kleinen Mädchen und Jungen gesehen, dass es doch nicht ganz so einfach ist. Also legte Hipp den Ball auf den Punkt am Anfang der Bahn, holte mit dem Minigolfschläger ganz weit aus, und „wumm“, er traf den Ball mit voller Wucht, so dass der Ball nicht nur das vorgesehene Loch verfehlte, sondern weit über den Strand hinaus bis in die Nordsee flog und mit einem lauten „Patsch“ im Meer versank.

Das hatte auch die junge Dame in ihrem Häuschen mitbekommen und schaute die beiden Häschen, die eben noch so traurig waren, mit bitterbösem Blick an und forderte Hipp und Hopp auf, den Ball wieder zu beschaffen oder aber dafür zu bezahlen. Doch Geld hatten Hipp und Hopp doch nicht, also blieb ihnen nicht anderes übrig, als zum Strand zu laufen und zu versuchen, den Ball aus der Meeresbrandung der See herauszufischen. Ab hei, was war das Wasser kalt und die Wellen hoch. Hipp und Hopp hüpften in den Wellen, wie sie es bei den Kindern schon gesehen haben, bekamen kalte Füße und ein nasses Fell. Denn Ball konnten sie aber trotz größter Anstrengung nicht finden. Was sollten sie nur tun, die junge Dame wollte ihren Ball doch wieder zurück haben.

Das standen sie so ratlos und pudelnass im kalten Nordseewasser, als sie plötzlich von einem niedlichen, grauen Gesicht mit großen Augen und einem hängenden Schnurrbart angelacht wurden. Hei, das war doch Robbienchen, die auf dem Robbenstrand zwischen Norderney und Juist wohnt. Hipp und Hopp kannten sie noch, als sie getrennt von ihrer Mama und ihrem Papa auf dem Weg von Helgoland alleine am Strand von Norderney aufgetaucht.
Robbienchen fragte die beiden Hipp und Hopp, was sie denn in der kalten Nordsee zu suchen haben. Wir suchen einen Minigolfball, den Hipp in das Wasser geschossen hat, wir können ihn aber nicht wieder finden, unter Wasser können wir doch nichts sehen, rief Hopp Robbienchen zu.

Robbienchen, der das kalte Wasser dank ihrer Fettschicht nichts anhaben konnte, versprach, zu tauchen und nach dem Ball zu suchen. Mit einem starken Flossenschlag verschwand sie in der dunklen Nordsee. Lange Zeit verging, Robbienchen blieb verschwunden, und Hipp und Hopp machten sich große Sorgen, ihr Hoffnung schwand dahin, dass sie den Ball finden würden, damit sie ihn dann wieder der jungen Dame im Häuschen des Minigolfplatzes zurück geben konnten.

Doch plötzlich, ihr glaubt es kaum, trennt sich im einem großen „Plitsch“ und „Platsch“ die Wasseroberfläche, und wer kommt brüllend heraus? Robbienchen, freudestrahlend mit einem kleinen, weißen Ball, dem Minigolfball, auf ihrer Nase tanzt sie auf dem Wasser. Häschen Hipp und Häschen Hopp klatschen freudestrahlend mit ihren Vorderläufen, als Robbienchen mit dem Ball auf der Nase den Strand erreicht, sich hoch auf ihre Schwanzflosse stellt und Hipp und Hopp den Ball zuwirft.

Voller Dank und Zufriedenheit bekommt Robbienchen von beiden ein Küsschen auf die salzigen Backen und als die Strandwanderer die drei glücklichen Tiere sehen, klatschen auch sie spontan mit ihren Händen und freuen sich mit Hipp, Hopp und Robbienchen über den glücklichen Ausgang eines nicht so glücklichen Minigolfspiels.

Aber wie sollen sich Häschen Hipp und Häschen Hopp bei Robbienchen erkenntlich zeigen?
Da fiel dem kleinen Hopp das Trampolin am Nordstrand ins Auge, es wäre doch toll, wenn alle drei mit all den Kindern dort springen könnten. Aber wie, jeder müsste doch einen Euro zahlen, um dort springen zu können, als plötzlich eine alte, gepflegte Dame den Weg der drei kreuzte und bemerkte, dass aus drei fröhlichen Gesichtern, wie Hipp, Hopp und Robbienchen sie eben noch gezeigt haben, drei ganz traurige Gesichter, mit hängenden Ohren bei den Häschen, und traurigen Augen und hängendem Bart bei Robbienchen, wurden. Die alte Dame war eine gnädige Frau, gab den drei kleinen Lümmeln je einen Euro, und somit konnten sie sich in die Reihe der wartenden Kinder am Trampolin anstellen, erwartungsvoll mit den anderen Kindern gemeinsam auf den blauen Luftkissen springen zu können.
Plötzlich war es soweit, alle drei, Hipp, Hopp und Robbienchen durften das kleine Gittertor passieren und sprangen dann mit den anderen Kindern gemeinsam, jeder so gut und so hoch er konnte. Juhu machte das einen Riesenspaß, Robbienchen klatschte laut mit ihren Vorderflossen und stieß brüllende Töne vor Lust und Freude aus. Doch schnell waren die erlaubten fünf Minuten vergangen und die drei mussten sich von dem ihnen lieb gewonnenen Trampolin verabschieden.

Es war mittlerweile spät geworden, Häschen Hipp und Häschen Hopp, wurden bestimmt schon von Ihren Hasenmama`und Hasenpapa`s, die schon die Bettchen in ihren Hasenhöhlen gemacht hatten, vermisst, zudem lag ihnen noch ein langer Heimweg bis in die Dünen am Oststrand bevor.

Auch Robbienchen, zwar mittlerweile schon erwachsen, wollte auch den Heinweg Richtung Wattenmeer zwischen Norderney und Juist antreten, sie wollte noch mit ihren Freunden auf Fischfang gehen, bevor die Sonne am Horizont untergeht und die eintretende Ebbe die Sandbank zum Schlafen einlädt.

Häschen Hipp und Häschen Hopp begleiteten Robbienchen noch bis zum Strand an der Brandung, gaben ihr zum Abschied als Dank für den gefunden Minigolfball noch ein Küsschen auf kitzelnden Seehundbart, als Robbienchen mit dem Rücken zuerst mit klatschenden Flossen in die Nordsee hinausschwamm, untertauchte, um dann schnellstens nach Hause zu schwimmen.

Auch Hipp und Hopp machten sich nach diesem aufregenden Tag zunächst am Strand entlang und dann durch die Dünen auf den Heimweg in ihre Hasenkinderstube. Wenn die Sonne dann bald am Horizont im weiten Meer untergeht, haben sie ihren Hasengeschwistern und Haseneltern noch viel vom heutigen Tag zu erzählen. Aber bald werden sie sicherlich wieder auf Hasentour gehen, um gemeinsam Streiche auszuhecken und allerlei ungewöhnliche Dinge zu erleben.

Kleschnitzki@t-online.de
Kleschnitzki, Jürgen
Schulzenstr. 22
26548 Norderney
ist alleiniger Urheber dieser Kurzgeschichte und hat alle Rechte darauf
Zuordnung: Kinderkurzgeschichten